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"Dresden ist mit einem Schlag schuldenfrei. Die Wohnungsbaugesellschaft wurde zu 100% übernommen."

 

Gagfah Woba

 

Sächsische Zeitung vom 30. Januar 2009 :

Woba-Eigner verkauft Tausende Wohnungen
Von Thilo Alexe
 

Das Unternehmen hat seinen Bestand verringert. Mieter sind verunsichert.

Mieter auf der Stauffenbergallee sind besorgt: Mitte Januar flatterte ihnen ein Schreiben ins Haus, das den bereits erfolgten Verkauf ihrer Wohnungen verkündete. Die Gagfah, Nachfolger der 2006 privatisierten städtischen Wohnungsgesellschaft Woba, hat den Bestand im nördlichen Hechtviertel an eine Luxemburger Firma veräußert. In Standardbriefen bittet der Konzern die Mieter um Einverständnis, die Kaution für die rund 140 Wohnungen an den neuen Besitzer überweisen zu dürfen. „Diese Firma ist trotz intensiver Recherche im Internet nicht auffindbar“, klagt ein verunsicherter Bewohner, der befüchtet, dass die Wohnungen an eine Briefkastenfirma vertickt wurden. Die Grünen attestieren: „Das Vorgehen der Gagfah ist als dubios zu bewerten. Kaufwünsche von Mietern wurden übergangen – mit der Begründung, dass nur der Gesamtbestand veräußert werde.“ Auch aus anderen Stadtteilen melden Mieter Wohnungsverkäufe.

Stopp bei 35.000 Wohnungen

„Dass die Gagfah Wohnungen verkauft ist rechtens.“ Der Sprecher des Mietervereins Dresden, Mathias Wagner, verweist auf die beim Woba-Verkauf beschlossene Sozialcharta. Demnach ist der neue Eigner dazu verpflichtet, bis 2016 mindestens 35.000 Wohnungen in seinem Besitz zu halten. Im September des vergangenen Jahres gehörten der Gagfah dem Quartalsbericht zufolge 41914 Wohnungen. Darin nicht berücksichtigt sind 3562 Wohnungen, die abgerissen wurden oder werden. Als die Woba privatisiert wurde, umfasste ihr Bestand knapp 48000 Wohnungen.

Verkauf an Kapitalanleger

Die börsennotierte Gagfah, die bundesweit Wohnungen besitzt, muss in den kommenden Jahren mehr als fünf Milliarden Euro umschulden. Der Börsenwert des Unternehmens ist gesunken, von 2,78 Milliarden Euro auf rund 1,22 Milliarden im Herbst. „Wenn wir es als ökonomisch sinnvoll erachten, verkaufen wir auch Wohnungen an Kapitalanleger und Investoren“, sagt Gagfah-Sprecherin Bettina Benner. „Für die Mieter ändert sich bei Eigentümerwechsel nichts“, fügt sie hinzu. Die Käufer verpflichteten sich zum Mieterschutz. An Briefkastenfirmen werde nichts veräußert. „Es handelt sich bei unseren Geschäftspartnern um seriöse Unternehmen.“

Kritik an der Information

Der Mieterverein kritisiert, dass Bewohner mangelhaft über den Verkauf informiert worden seien. Zudem meldeten sich die neuen Besitzer teils spät. Sprecher Wagner befürchtet auch steigende Mieten. „Bei etlichen Verkäufen handelt es sich um unsanierte Bestände“, sagt er. Es sei wahrscheinlich, dass neue Eigner sanieren und dann die Miete erhöhen. Drastischer formuliert es SPD-Stadtrat Thomas Blümel: „Die Gagfah erhöht Mieten, entlässt Mitarbeiter und verkauft Mieter, nur um die Profite trotz Finanzkrise zu retten. Wir sollten ernsthaft über einen Rückkauf von Wohnungen nachdenken.“

weiter:

Mieter sind beunruhigt
Thilo Alexe
Von Alexe.Thilo@dd-v.de


 Der Verkauf von ehemaligen Woba-Wohnungen im großen Stil beunruhigt etliche Mieter. Der Immobilienkonzern Gagfah veräußert meist unsanierte Bestände an Investoren, die in der Regel sanieren und dann voraussichtlich die Mieten anheben. Verwerflich ist das nicht. Fragen wirft der Deal aber auf.

Etwa die, warum etliche Mieter erst nach dem Verkauf über den Schritt informiert wurden. Und auch neue Eigner, in der Regel Immobiliengesellschaften, müssen sich fragen lassen, warum sie sich spät melden. Sind ihnen die Bewohner egal?

Auch die städtische Woba hat sich von Wohnungen getrennt. Doch die Gagfah handelt, auch wenn sie das offiziell nicht bestätigt, offenbar unter Druck. Die Verkäufe erwecken den Eindruck, dass der Konzern Geld braucht. Panik ist nicht angebracht. Skepsis aber allemal. Mit mehr Transparenz könnte die Gagfah trotz aller Börsenregeln dem entgegensteuern.

 

  
Dresdner Sozialcharta (20,4 KB)
Weiße Salbe
Wolken überm Mieterparadies (37,1 KB)
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